Informationen zur Jagd in Rheinland-Pfalz

Auf dieser Seite finden Sie Informationen zur Jagd in Rheinland-Pfalz. Natürlich können wir Ihnen hier nur einen ersten Überblick geben und wir beschränken uns auf die Aspekte, die im Zusammenhang mit dem Gesetzentwurf der Landesregierung Rheinland-Pfalz für ein neues Landesjagdgesetz stehen. Falls wir Sie neugierig gemacht haben, können Sie gerne unsere Homepage besuchen.

Erstmal: Jagd ist kein Hobby! Jagd ist ein Handwerk, das viel Wissen und noch mehr Erfahrung voraussetzt. Bevor man Wildschein oder ein Reh erlegt, muss man es erstmal finden. Probieren Sie es doch einmal aus und versuchen Sie ihr Glück, heute Abend im Wald oder auf einer Wiese auf ein Wildschein zu treffen! Jede Erlegung erfordert einen Aufwand von mehreren Stunden. Und danach geht es erst richtig los, weil wir natürlich aus jedem Jagderfolg auch leckeres Wildbret gewinnen wollen. In Rheinland-Pfalz gibt es ca. 25.000 Jagdscheininhaber, aber nur ca. 800 Förster in funktioneller Tätigkeit. Die dringend notwendige und gesetzlich verpflichtende Bejagung in Rheinland-Pfalz kann also nur mit der privaten Jägerschaft und ihrem „ehrenamtlichen“ Engagement sichergestellt werden.

Daran besteht kein ernsthafter Zweifel. Fragen Sie einmal Landwirte oder Förster: beide werden Ihnen bestätigen, dass eher mehr Wild geschossen werden muss, als zu wenig. In Europa gibt es keine Region, in der ein echtes Jagdverbot besteht. Die Jagd ist nirgendwo in Europa ernsthaft abgeschafft. Ausnahmen bestehen allenfalls in eng umgrenzten Nationalparks oder es ist lediglich die private Jagdausübung verboten. Im letztgenannten Fall zahlen dann die Steuerzahler für Berufsjäger

Natürlich nicht. Als Jägerinnen und Jäger nutzen wir die vorhandenen Wildbestände auf nachhaltige Art und Weise unter Berücksichtigung der land- und forstwirtschaftlichen Interessen. Tendenziell wirft man uns eher vor, dass wir zu wenig schießen. Land- und Forstwirtschaft fordern von uns regelmäßig – teilweise auch berechtigt – höhere Abschüsse. Diese müssen wir aber nicht nur in unserer Freizeit bewerkstelligen. Wir müssen und wollen das geschossene Wild auch versorgen und verwerten. Das alles erfordert Zeit unserer Freizeit und Geld aus unseren schon versteuerten Einkommen. Wussten Sie, dass eine durchschnittliche Jagdkanzel ohne Aufbau ca. 1.000,00 EUR kostet? Der Aufbau und die Unterhaltung von Reviereinrichtungen kommt zu den Pachtkosten ebenso dazu, wie alle Kosten für Biotop- und Lebensraumverbesserungen, die wir im Sinne des Naturschutzes erbringen. Außerdem führt auch nicht jeder Jagdeinsatz zum Erfolg. Manchmal braucht es sehr viele Anläufe bis man etwas erlegt hat.

Das stimmt so nicht. Wir Jägerinnen und Jäger lieben die Natur. Wir lieben es, am frühen morgen und am späten Abend in Feld und Wald unterwegs zu sein. Für uns ist alleine das Freiheit und Glückseligkeit. Freuen wir uns über besondere Jagdbeute? Über einen alten Hirsch? Über einen außergewöhnlichen Rehbock? Ja, das tun wir. Elementar ist für uns aber das Erlebnis und der Erfolg unseres Handwerks – im kleinen wir im großen. Es ist richtig, dass an mancher Stelle mehr Wild geschossen werden müsste, aber leider können wir das auch nicht nach Belieben steuern und wir müssen das alles mit unseren knappen Ressourcen Zeit und Geld auch bewerkstelligen können. Meistens tragen die Jägerinnen und Jäger den Wildschaden, der in ihren Revieren entsteht. Alleine deswegen haben wir ein ganz eigenes Interesse daran, dass die Wildbestände nicht überhand nehmen. Übrigens: wenn es keinen Pächter gibt, trägt den Wildschaden immer die Jagdgenossenschaft. Was passiert also, wenn Jagdreviere nicht mehr verpachtet werden, weil die privaten Pächter aufgrund staatlicher Sanktionsdrohungen nicht mehr pachten? Dann müssen die Jagdgenossenschaften die Bejagung ihrer Reviere sicherstellen und den Wildschaden tragen.

Die Antwort könnte denkbar einfach sein: Jäger erlegen wildlebende Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen. Die Wahrheit ist komplexer: Das Erlegen von Wild ist nur die Spitze des Eisbergs der Aufgaben, welche die Jagd mit sich bringt. Keine Erlegung erfolgt planlos. Es gibt Schonzeiten, Abschussvorgaben und wildbiologische Faktoren, die wir als Jägerinnen und Jäger zu beachten haben. Wir müssen Wildschäden verhindern, für die sonst in vielen Fällen einzustehen haben. Wir kümmern uns um Lebensraumverbesserungen, legen Hecken, Wildäcker, Blüh- und Wasserflächen an, was nicht nur Hirschen und Rehen hilft, sondern ganz vielen Tieren, die wir gar nicht bejagen können. Das alles machen wir in unserer Freizeit und in Revieren, für die wir Jagdpacht und Jagdsteuer bezahlen.

Es ist unmöglich, an dieser Stelle einen vollständigen Überblick über alle Regelungen des aktuellen Landesjagdgesetzes zu liefern. Wir möchten aber gerne erklären, wie das Jagdwesen ganz grundsätzlich funktioniert: erstmal ist das Jagdrecht an Grund und Boden gekoppelt, d.h. jeder Eigentümer eines Grundstücks ist auch gleichzeitig der Inhaber des Jagdrechts auf seiner Fläche. Trotzdem macht es natürlich keinen Sinn, dass jeder Eigentümer auf seinem Grundstück selber jagt. Die ordnungsgemäße und nachhaltige Bewirtschaftung und Regulierung von Wildbeständen erfordert ein gewisses Mindestmaß an Flächen. Deswegen gibt es hierzu folgende Regelung: wer 75 Hektar (ein Hektar sind 10.000m² was in etwa einem Sportplatz entspricht) zusammenhängende Grundflächen mit land- oder forstwirtschaftlich nutzbaren Flächen besitzt, kann sein Jagdrecht entweder selbst ausüben oder verpachten. Er besitzt dann einen sogenannten Eigenjagdbezirk. Alle anderen Grundstückseigentümer einer Gemeinde oder Gemarkung müssen Mitglied in einer Jagdgenossenschaft werden. Innerhalb einer Jagdgenossenschaft entscheidet diese anstelle der Eigentümer über die Wahrnehmung des Jagdrechts. In der Regel werden solche Jagdbezirke verpachtet. Die Pachteinnahmen fließen den Eigentümern zu. Gleichzeitig übernimmt der Pächter in der Regel auch den Ausgleich des Wildschadens. Die weiteren Regeln zur Jagdausübung ergeben sich entweder aus dem schon heute strengen Jagdgesetz oder aus dem Pachtvertrag.

Doch und die Jägerschaft bekennt sich zu ihrer Verantwortung in Bezug auf den Waldumbau. Aber wir wehren uns dagegen, wenn man uns trotz unseres privaten Engagements nur noch als Erfüllungsgehilfen und Sanktionsobjekte betrachtet. Die Aufgaben in einem Jagdrevier sind vielfältig und schon heute fordernd: Niederwildhege, Biotoppflege, Vermeidung von Wildschäden insbesondere durch Wildschweine im Feld, Hochsitzbau etc. Wir haben weder unbegrenzt Geld, noch unbegrenzt Zeit. Deswegen glauben wir auch nicht daran, dass mit einer Gesetzesverschärfung mehr Wild geschossen wird. Nur ein Reh oder Wildschwein zu erlegen erfordert einen Zeitaufwand von 10 – 15 Stunden. Die Politik muss auch beantworten, wie wir all das überhaupt schaffen sollen.